
Segelfliegen
nimmt unter den verschiedenen Sportarten insofern eine Sonderstellung ein, als
es wie wohl keine andere den ganzen Menschen beansprucht, Körper, Geist und Gemüt.
Wer im Segelflugsport nur eine vergnügliche Wochenendbeschäftigung suchen
wollte, müßte sich bald belehren lassen, dass er einer groben Fehleinschätzung
unterliegt. Wohl ist Fliegen ein einzig- artiges Vergnügen, das den, der es
rechtzeitig auszukosten vermag, seiner Lebtag nicht mehr losläßt. Aber dieses
Vergnügen läßt sich weder mit blanker Münze einkaufen, noch durch einfaches
Training erwerben.
Im Flugzeug lernt der Segelflieger, dass er über eine rasche Auffassungsgabe
verfügen muss, um den oft blitzschnell wechselnden Anforderungen gerecht zu
werden. Gute charakterliche Eigenschaften, kritische Selbstbeobachtung und
Urteilsfähigkeit sind unerlässlich.
Segelfliegen erfordert einen hohen Einsatz, viele Opfer an Zeit und Leistung.
Wer Segelflieger werden will, muss lernen, viel lernen. Die theoretische
Ausbildung umfasst Themen wie Flugzeugkunde, Bordgerätekunde, Aerodynamik,
Wetterkunde, Navigation, Funksprech- verkehr und Luftrecht. Das alles wird
gelehrt und auch geprüft. Bei der praktischen Ausbildung werden die
theoretischen Kenntnisse angewendet. Der angehende Pilot wird nicht nur bis zu
seinem ersten Alleinflug betreut, sondern auch später immer wieder mit den
Gefahren, aber auch mit den Schönheiten des Fliegens vertraut gemacht.
Doch nicht nur geistige Voraussetzungen müssen gegeben sein; auch die körperlichen
Anforderungen gilt es zu meistern. Zu Beginn eines Flugtages werden die
Flugzeuge aus der Halle geräumt oder vom Transportanhänger abgeladen und
aufgerüstet. Während des ganzen Tages werden die Flugzeuge von Hand vom
Landefeld zur Startstelle geschoben. Oft mehrere Kilometer Fußmarsch an einem
einzigen Tag. Weil diese körperlichen Belastungen in frischer Luft und Sonne
auftreten, ist Segelfliegen auch ein sehr gesunder Sport. Aus gutem Grund
verlangt der Gesetzgeber dennoch, dass jeder Pilot seine Fitness alle zwei Jahre
bei einer ärztlichen Flugtauglichkeitsuntersuchung unter Beweis stellt.
In der Werkstatt kommt der Segelflieger vor allem mit handwerklicher Arbeit in
Berührung. Er lernt, dass ein Flugzeug sorgfältig gewartet und repariert
werden muss, um den hohen Ansprüchen
an Flugsicherheit zu genügen. Er lernt den Umgang mit dem Material und dessen
zweckmäßigen Einsatz und lernt, an sich selbst zu arbeiten, sich als Glied
einer Kette zu fühlen, sich in die Gemeinschaft zu fügen, sich und seine Fähigkeiten
richtig einzuschätzen, bescheiden, rücksichtsvoll und hilfsbereit zu sein;
einen Anschiss nicht krumm zu nehmen, schnell und trotzdem überlegt zu handeln
und noch viel Anderes.

Segelfliegen ist nur in einer Gemeinschaft möglich. Einzelgänger sind nicht
gefragt. Viele Hände müssen helfen, damit jeder mal an die Reihe kommt. Wer für
eine Stunde auf dem Flugplatzgelände auftaucht, um mal eben zu fliegen,
ist fehl am Platz.
Vor dem Vergnügen steht bei den Segelfliegern wirklich der Schweiß. Vielleicht
ist deshalb das Häuflein so klein, gemessen an der Mitgliederzahl anderer
Organisationen.
Fliegen vermittelt ein unbeschreibliches Gefühl des Befreitseins und des Glücks.
Stolz auf die eigene Leistung, das Wissen um eine ihn tragende verlässliche
Gemeinschaft, verbunden mit einer von Menschen geschaffenen Technik, ohne Übermut,
sondern stets in dem Bewusstsein, was Unaufmerksamkeit oder gar Leichtsinn dem
Piloten selbst und seinen Kameraden bringen kann.

Warten auf den Start. Segelflugzeuge auf dem Riedlinger Fluggelände.
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